Lippenlesen aktives und passives Verstehen

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Beim Lippenlesen gibt es zwei Arten vom Verstehen. Das aktive und das passive Verstehen.

Das Lippenlesen ist eine besondere Fähigkeit, die insbesondere Hörgeschädigte sich aneignen, um mit ihren hörenden Mitmenschen kommunizieren zu können.

Aktives Verstehen beim Lippenlesen

Das aktive Verstehen fällt demnach auch den Hörgeschädigten zu, da sie schon im Vorfeld einen langen Lernprozess bewältigt haben. Sie haben hier bereits die Erfahrungen, die Übung und die Kraft zum Mitdenken beim Lippenlesen. Hinzu kommen noch die Fähigkeiten zum Kombinieren und Kompensieren des Gesprochenen des Gegenübers.

Passives Verstehen beim Lippenlesen

Auch Hörende können Lippenlesen, wenn sie genau hinschauen. Nur haben sie keine Übung darin und sind oft zuerst einmal hilflos, wenn sie auf den Mund schauen und nur Lippenbewegungen registrieren. Sie sind durch ihr Gehör abgelenkt, da Sie darauf fokussiert sind.

Wenn ich ein Satz lautlos spreche, versteht der hörende Gesprächspartner zuerst nichts. Ich sage danach, dass ich genau den gleichen Satz sage, jedoch mit Stimme. Dieser soll beim Hören auch auf die Lippen schauen. Danach wiederhole ich den Satz ohne Stimme. Durch diese Vorgabe des zuvor lautgesagten Satzes kann der Hörende bei der lautlosen Wiederholung das Gesagte auch Lippenlesen und kann die Wörter sogar zuordnen. Das nenne ich passives Verstehen.

Anhand dieser Unterschiede erkennen Sie, wie ein Lippenleser „anders verdrahtet“ ist in der Kommunikation.

Lippenlesen ist eine Hochleistungs-Kopf- und Augenarbeit.

Stellen Sie sich vor: Sie unterhalten sich mit einem Hörgeschädigten, der per Lippenlesen kommuniziert. Das Gespräch verläuft flüssig ohne „Gesprächspausen“. Der Hörgeschädigte antwortet mit kaum bemerkbarer Zeitverzögerung. Die wesentliche Arbeit, die der Lippenleser im Gespräch gleichzeitig bewältigt, ist unsichtbar:

Lippenlesen aktives und passives Verstehen
Lippenlesen aktives und passives Verstehen im Gespräch

Das Mitdenken, das kombinieren und kompensieren vom Gesprochenen und das ständige Zugreifen auf das eigene Wortschatz, um jedes Wort abzugleichen, welches zu dem Gesprochenen passt.

Vorausgesetzt ist natürlich, dass der hörende Gesprächspartner ein gutes Mundbild hat und dieses nicht bedeckt (Schnurrbart bis unter der Oberlippe, Vollbart, Hand vor dem Mund oder Kopf weggedreht).

Erkennen Sie, wie viel Mit-Denk-Arbeit beim Lippenlesen verbunden ist?

Da das Lippenlesen in der Tat eine Hochleistungsarbeit ist, die sich im Kopf und über Augen abspielt, sind die meisten Lippenleser bei Vorträgen nach frühestens 30 durchgehenden Minuten bis zu einer Stunde sehr erschöpft. Sie sind deshalb sehr froh und dankbar, wenn sie stattdessen etwas Schriftliches zu lesen bekommen, weil das Lesen ihnen die Kombinier- und Kompensations-Arbeit abnimmt.

Das ist einer der wichtigsten Gründe, weshalb Hörgeschädigte bei einem schönen Film dringend auf Untertitel angewiesen sind:

Damit sie sich auch dabei unterhalten lassen und sich dabei gleichzeitig entspannen können.

Es ist kein Spaß, sondern eher sehr anstrengend für den Hörbehinderten, wenn dieser per Lippenlesen einen ganzen Spielfilm schauen würde. Denn er bekommt nicht alles mit, was jeder Darsteller sagt. Oft ist der Rücken des Darstellers zu sehen, oder verdecktes Gesicht, mit Gesicht nach unten, und und und … oder Vollbart, oder nuschelnd-sprechender Darsteller und zudem auch noch fremdsprachig. Die Lücken, die sich dadurch auftun, erschweren dem Hörgeschädigten das Verstehen des Spielfilmes.

Diesem Film-Thema aus meiner Sicht als Lippenleserin werde ich einen eigenen Blogartikel widmen 🙂

Lippenlesen aktives und passives Verstehen - Kommunikation anders - Können Hörende auch Lippenlesen? Erfahren Sie die Unterschiede hier.

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